Digitale Umsetzung von Brett- und Kartenspielen, erfreuen sich seit dem Start des iPhone/iPads großer Beliebtheit. Egal ob es sich um Scotland Yard, Carcassonne, San Juan oder Neuroshima Hex handelt. Zahlreichen populären Brettspielen gelang der geglückte Sprung auf mobile Plattformen. Seit dieser Woche steht das Ravensburger Kinderspiel des Jahres 2008 “Wer war’s?”, zum Download für das iPhone und iPad bereit. Ob die Umsetzung gelungen ist, erfahrt ihr in unserem Testbericht.
In “Wer war’s” schlüpfen Spieler in Rolle von Königskindern, die versuchen den Untergang des Königreichs zu verhindern. So regiert ein gütiger König von seiner Burg aus, die durch dessen magischen Ring vor dem Einfluss des bösen Zauberers beschützt ist. Als der böse Zauberer jedoch einen Angestellten des Königs verhext, stiehlt dieser den magischen Schutzring und versteckt ihn. Sofort verlässt der König mit seinen Bediensteten die Burg, um im Königreich nach dem Ring zu suchen. Die im Schloss zurückgelassenen Kinder erfahren jedoch von der sprechenden Hofkatze, dass der Dieb den Ring in der Burg versteckt hat. Da der böse Zauberer jedoch schon unterwegs ist, beginnt ein Spiel auf Zeit.
Wahlweise mit bis zu 4 menschlichen Spieler oder unterstützt von der KI, versuchen Spieler gemeinsam den Ring vor der Ankunft des Zauberers zu finden. Versteckt ist der Ring dabei in der Truhe des Diebs. Da es jedoch in jedem Spiel 10 Verdächtige und dahingehend auch 10 Truhen gibt, müssen Hinweise gesammelt werden. Diese Hinweise kommen von den sprechenden Tieren der Burg, die für ihre Hilfe jedoch unterschiedliche Futterstücke haben möchten. Diese Futterstücke sind in 10 Räumen versteckt. Welches Futterstück sich im entsprechenden Raum verbirgt, erfährt der Spieler erst durch Interaktion mit der Örtlichkeit.
So beginnt jeder Zug damit, dass ein virtueller Würfel gerollt wird. Zeigt dieser eine Zahl an, darf der Spieler einen Raum innerhalb der Augenzahl besuchen. In jedem Raum haben Spieler nun vier Möglichkeiten. Das jeweilige Tier befragen, nach Futterstücken oder Gegenständen suchen, zaubern oder eine Truhe öffnen. Letzteres sollte wirklich erst dann getan werden, wenn man den Kreis der Verdächtigen eingrenzen. Denn durch die begrenzte Anzahl an Schlüsseln und Zügen, kann man sich nur wenige Fehltritte erlauben.
Persönlich bin ich großer Fan von Brettspielen, jedoch ist “Wer war’s?” komplett an mir vorbeigegangen. Das mag daran liegen, dass der Titel mit seiner Auszeichnung als “Kinderspiel des Jahres” eher auf junge Spieler zielt. Ein Punkt der sicherlich auch durch die verspielten Artworks, sprechenden Tiere und Kinder unterstützt wird. Trotzdem stellte ich bereits nach den ersten zwei Runden fest, wieviel Spaß auch bei reiferen Spielern aufkommt. Gerade da soviel Kombinationsgabe gefragt ist.
Denn wie bereits erwähnt, haben die Tiere in jedem neuen Spiel andere Vorlieben. So verlangt der Hund im Ballsaal vielleicht einmal Käse, während er im nächsten Spiel Trauben fressen möchte. Dadurch ist ein hoher Widerspielwert garantiert, da die Futterstücke und Vorlieben vor jedem Spiel neu gemischt werden. Sobald ein Tier sein verlangtes Futterstück erhalten hat, bekommen Spieler erste Hinweise. So bellt uns der Hund vielleicht zu, dass der Dieb des Rings klein war. Somit können alle großen Angestellten aus der Gleichung genommen werden. Folglich grenzen Spieler den Kreis der Verdächtigen immer weiter ein.
Damit es nicht zu einfach wird, erschweren zwei Komponenten das Spiel. Zum einen gibt es da den Geist, der automatisch alle paar Züge durch die Burg wandert. Trifft dieser auf Kinder, werden diese zurück in den Startraum gescheucht. Zusätzlich hat der Würfel zudem eine Geist-Seite, dank der das schaurige Gespenst ebenfalls einen Raum weiterziehen darf. Hinzu kommt die Tatsache, dass der Zauberer immer wieder magische Angriffe auf die Kinder schleudert und zu einer festen Uhrzeit ankommt. Somit spielt Zeit eine entscheidende Rolle, da man relativ zügig kombinieren muss.
Obwohl Ravensburger bereits bei “Scotland Yard” und “San Juan” ausgezeichnete Arbeit leistete, dürfte “Wer war’s” technisch die eindrucksvollste Umsetzung eines Brettspiels sein. So unterstützt das Spiel direkt das Retina-Display des iPad, wodurch Grafiken selbst auf der höchsten Zoomstufe ausgezeichnet aussehen. Folglich strotzt jeder Raum voller Details, die Tiere sind gut vertont und das Spielbrett wirkt fast lebendig.
Interessant ist auch die Möglichkeit, dass Spiel mit dem Original Brettspiel von Ravensburger zu koppeln. So gibt es einen Truhenmodus, der die im Brettspiel erhaltene Truhe ersetzt. Dadurch gibt es zukünftig keine Probleme mehr mit schwachen Batterien oder schlechter Tonqualität. Diese Integration zwischen App und Brettspiel, wird zukünftig hoffentlich der Standard bei Brettspiel-Ports. Denn selbst wenn Leute kein Interesse an einer virtuellen Partie “Wer war’s?” haben, erhalten sie einen perfekten Ersatz für die nicht perfekte Sound-Truhe des Brettspiels. Das zum ziemlich kleinen Preis.
Zusätzlich hat Ravensburger Digital auch Game-Center-Support eingebaut, damit Spieler virtuelle Erfolge sammeln können. Leider ist dieser Game-Center-Support jedoch begrenzt, da keine Online-Spiele möglich sind. Das wird hoffentlich mit einem zukünftigen Patch nachgeliefert. Denn obwohl die KI clever agiert, ist das Spiel mit echten Mitspielern deutlich spannender.
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Ich ziehe erneut meinen Hut vor Ravensburger. Teilweise hat man den Eindruck, dass jeder Brettspiel-Port einen Tick besser wird. Sicherlich hat “Wer war’s” auch einige Probleme. So wird das Spiel mit mehreren Spielern deutlich einfacher, weil man sich absprechen kann. Denn wie bereits erwähnt, arbeiten die Spieler als Team zusammen. Spielt man alleine, ist sowohl die Beschaffung der Futterstücke, wie auch die Forderung der Tiere deutlich herausfordernder. Zudem scheint die Zeit im Spiel förmlich zu verfliegen. Denn bis der böse Zauberer eintrifft, vergehen keine 10 Minuten.
Trotz dieser kleinen Kritikpunkte, gibt es kaum etwas an “Wer war’s” auszusetzen. So garantiert die App einen spaßigen Abend im Kreis der Familie, gerade wenn jüngere Spieler dabei sind. Durch die Kombination von Memory- und Wimmelbild-Elementen, ist für jeden etwas dabei. Wäre ich kein Kind der 80er, wäre dieses Spiel sicherlich auch in meinem Kinderzimmer gelandet.
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Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Ravensburger Digital, die uns freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zu “Wer war’s” für das iPad zur Verfügung gestellt haben. Das Spiel ist ab sofort für iOS im App-Store ab 2,39 Euro zu beziehen.
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